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Seeleute stehen vor persönlichen Herausforderungen
14.03.07 | Sebastian Fiebig
Seeleute empfinden ihren Beruf oft als persönlich belastend. Viele Seeleute stehen tatsächlich nur einige Jahre im aktiven Dienst. Welche Ursachen hat das? Ist denn der Beruf des Seemanns nicht mit Freiheit, Weite, Abenteuer und Internationalen Begegnungen verbunden?
Leben ohne festen Rhythmus
Auf engem Raum leben und arbeiten, das ist gar nicht das schlimmste. Die zeitlichen Abläufe machen vielen Seeleuten mehr zu schaffen. Auf Schiffen, die im Kurzstreckendienst unterwegs sind, Feederschiffen zum Beispiel, die viele Hafenstopps in kurzer Zeit bewältigen müssen, ist es für den Körper schwer, sich an einen regelmäßigen Rhythmus anzupassen. Wachdienst und Ruhezeiten unterliegen dem ständigen Wechsel. Bei einem Stopp im Hafen ist dann - je nach Aufgabe - oft mehr zu tun als auf See: Verwaltungstätigkeiten, Wartungsarbeiten an der Maschine, Entladearbeiten oder Wachdienst brauchen Zeit und Kraft. Wenn wirklich einmal Pause ist, ist es zu laut zum Schlafen.
Landgang wird schwieriger
Ein Landgang im Hafen, ein Besuch in der Stadt ist aufgrund der Arbeit auf dem Schiff oft nicht oder nur extrem kurz möglich. So fällt auch der Reiz der Abwechslung fort, der Duft des Abenteuers, der Seeleute früherer Zeiten auf See gelockt hat. Man kann heute nicht mehr die Welt kennenlernen, indem man zur See fährt. Die Routine des Bordalltags läßt sich schwerlich auflockern, ohne Landgang fehlt irgendwann auch wichtiger neuer Gesprächsstoff. Durch neue Bestimmungen zur Terrorabwehr  hat sich die Situation noch verschärft. Erschwerter Landgang, Besuch von Verwandten oder der Seemannsmission lassen den Eindruck entstehen, Seeleute sind Menschen zweiter Klasse und potentielle Helfershelfer von Terroristen.
Gewinne stehen im Vordergrund
Schiffe, auf denen sicherheitstechnische oder hygienische Bedingungen miserabel sind, gibt es glücklicherweise immer seltener. Aber auch auf modernen, technisch einwandfreien Schiffen, die von verantwortungsbewußten Reedern gemanagt werden, gilt: Die bauliche Konzeption eines Schiffes wird vor allem auf Gewinnmaximierung ausgerichtet, nicht in erster Linie auf den Komfort der Seeleute hin. Ihre Quartiere sind das Ergebnis der Differenz zwischen Schiffsgröße und Ladekapazität. Oder etwas böse gesagt: Wo man keinen Container hinstellen kann, da wohnt ein Seemann. Das erfordert der internationale Druck, und jeder Reeder, der im Geschäft bleiben will, muß hier mithalten, auch wenn sein Gewissen sich meldet.
Vielerlei Schwierigkeiten
Kapitäne fühlen sich durch den Wust von Kontrollen und Vorschriften einerseits ständig überwacht und dennoch in schwierigen Situationen allein gelassen. Ingenieure beklagen, dass an den Maschinen gespart wird und sie deshalb mehr Arbeit haben als nötig. Mannschafter haben mitunter ein Problem, wenn sie nicht rechtzeitig zu Vertragsende abgelöst werden oder leiden darunter, daß sie im Hafen keinen Kontakt zur Heimat aufnehmen können, weil Telefone fehlen oder die wichtigen Telefonkarten. Es gibt Agenturen, die ihre Crews gerne bunt zusammenwürfeln, um Gruppenbildungen zu vermeiden. Die Seeleute aus zig Nationen müssen dann mit ihrer Einsamkeit alleine zurechtkommen.
Geistliche Bedürfnisse
Die See lehrt beten, sagt man. Die ungezähmten Naturerfahrungen auf See beeindrucken jeden. Und sie lassen die Menschen zugleich erahnen, dass der, der diese gewaltigen Kräfte geschaffen hat, ungleich größer und stärker sein muß. Die Einstellungen zu Glaube und Religion sind so unterschiedlich wie die Seeleute selber. Manch einer hält wenig davon, ein anderer betet still, ein dritter hat eine tiefe Frömmigkeit, die sich auch in festen Formen ausdrückt. Die Möglichkeit zu beten ist immer da. Ein Gottesdienst an Bord, die Gelegenheit zu einem seelsorgerlichen Gespräch, zur Beichte oder die Feier einer Schiffssegnung sind besondere Momente für die Seeleute. Oft zehren die, die diese Gelegenheiten hatten, noch lange davon.

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