Zu Besuch in der Seemannsmission Stella Maris waren 24 Schüler der
Gesamtschule Alter Teichweg. Sie ließen sich von Pastoralreferent Sebastian Fiebig
berichten, was das Erzbistum Hamburg für die Seeleute tut. Zwei aktive Seeleute erzählten
vom Leben an Bord. Zu ihrem Ausflug in die Seemannsmission angeregt wurden die
Sechstklässler von einer Lektüre im Deutschunterricht: Sie lesen zur Zeit Henning Mankells
„Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war“, ein Buch, das das Leben eines Seemanns aus
der Sicht seines Sohnes beschreibt.
Vieles wollen die Schüler wissen. „Wie bekommen die Seeleute denn Post?“ fragt Kevin (12).
„Wir nehmen Briefe für Seeleute an, bewahren sie auf oder schicken sie in den nächsten
Hafen“ schildert Fiebig und zeigt eine Kiste voller Briefe und Zeitschriften. Der Seemann
Peter Schell (62) ergänzt, dass heute auch vieles an Kommunikation mit der Heimat über das
Handy passiert. Denn es ist nicht einfach, Frau und Kinder viele Monate alleine zu lassen.
Öznur will wissen, wie lange man so auf einem Schiff arbeiten muss. Als Schell noch kleine
Stückgutfrachter gefahren ist, waren es meist 16 Monate, heute sechs oder neun. Eine lange
Zeit, fern der Heimat. Die Liegezeiten in den Häfen waren früher viel länger als heute.
„Ich habe mir in Ruhe Peking anschauen können. Heute ist die Zeit in den Häfen nur sehr
kurz“, bedauert der Seemann. „Ein Grund für die Seemannsmission, verstärkt auf die Schiffe
zu gehen und dort den Seeleuten Gastfreundschaft, Hilfe und Seelsorge anzubieten“, erklärt
Fiebig.
„Haben sie schwere Stürme erlebt?“ möchte Kamil (12) wissen. An einen sehr schweren kann
sich der Seefahrer gut erinnern: Es war 1970, Orkan in der Biskaya. Zwei Wochen kreuzte
das 8 Meter hohe Schiff hilflos in den 20 Meter hohen Wellen. „Nachmittags gegen 14.10 Uhr
erwischte uns eine Riesenwelle von ein Strich Steuerbord! Die ist auf dem zweiten Deck
eingeschlagen, hat ein Bullauge durchbrochen und das Rettungsboot zerstört.“ Der Seebär
schildert die Lage, als ob alles gestern passiert sei. „Alles stand unter Wasser. Wir haben
Löcher in die Gänge gebohrt, und das Wasser dann im Maschinenraum abgepumpt. In der Mitte
des Schiffs hatte die Mannschaft drei Tage nichts zu essen, weil dort niemand hingehen
konnte.“
Überhaupt scheint die Seefahrerromantik immer nur im Rückblick zu existieren. Adib (11)
möchte wissen, warum der Binnenländer einst Seemann geworden ist. Peter Schell ist heute
Chefingenieur, aber angefangen hat er als Ingenieursassistent: „Eigentlich wollte ich nur
mal gucken. Jeden Morgen sah ich die gleichen Leute im Zug auf dem Weg zur Arbeit. Das soll
ich mein Leben lang machen? Da habe ich mir ein Herz gefasst, bin nach Hamburg gefahren,
habe bei einer Reederei einen Vertrag bekommen und bin am nächsten Tag ausgelaufen.“ Seit
40 Jahren fährt der Berliner zur See. Heute ist es schwieriger, eine Arbeit als Seemann zu
finden. Der Preiskampf auf dem internationalen Markt ist gnadenlos. Es gibt nur noch wenige
deutsche Seeleute. Für sie gibt die Seemannsmission die Zeitung Leuchtfeuer heraus, ein
Blättchen, dass per E-Mail weltweit an Seemannsmissionen verschickt wird und für die
deutschen Seeleute Nachrichten aus der Heimat bietet.
Der Seemann Duarte Gurto von den Capverdischen Inseln lebt seit 30 Jahren in Deutschland.
Früher fuhr er als Stewart und Decksmann auf kleinen Küstenmotorschiffen zur See. Heute ist
er arbeitslos, wie viele seiner Landsleute. „Viele Philippinos sind heute auf den
Weltmeeren unterwegs, doch Osteuropäer sind inzwischen die billigeren Arbeitskräfte. So ist
das Spektrum der Nationalitäten, die den Club an der Reimarusstraße besuchen, ebenso bunt
wie das der Schulklasse aus Hamburg-Dulsberg“, erzählt der Pastoralreferent. „Die
Umgangssprache in der Seemannsmission ist englisch, aber man hört Tagalog und Spanisch
ebenso wie Russisch und Chinesisch“, ergänzt er. Weltweit betreibt die katholische Kirche
über 400 Clubs und Seemannsheime, in denen haupt- und ehrenamtliche Helfer den Seeleuten
für die wenigen Stunden an Land unabhängig von ihrer Sprache, Herkunft oder
Religionszugehörigkeit ihre Gemeinschaft und Freundschaft anbieten und als Seelsorger
gefragt sind.