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Seemannspastor
Leo Kreiß 1968-1997 01.02.07 | Sebastian Fiebig |
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Msgr. Leo Kreiß wurde 1968 der Nachfolger des tödlich
verunglückten Seemannspastors Wolfgang Hinsel. Der gebürtige Osnabrücker
verbrachte Kindheit und Jugend in Melle und war dort einer der Motoren in der
Pfadfinderarbeit. Nach einer kurzen Osnabrücker Zeit sandte ihn Bischof Wittler
nach Hamburg. Zunächst als Kaplan an der St.-Joseph-Kirche in der Großen
Freiheit und kurze Zeit als Pastor in Kiel-Elmschenhagen. Sein Amt als
Seemannspastor begann er 1968. Zu seinen Aufgaben gehörte die Betreuung der in-
und ausländischen Seeleute. Er war zugleich Nationaldirektor des Apostolat des
Meeres.
Mit Gewerkschaften, Bundestagsabgeordneten, Berufsverbänden
und Sozialverbänden pflegte er einen regen Austausch. So appellierte er
1974 an Bundeskanzler Schmidt, sich der sozialen Benachteiligung
ausländischer Seeleuten auf deutschen Schiffen anzunehmen. Seeleute
vertrat er als
Prozeßbevollmächtigter
in Prozessen vor dem Arbeitsgericht und in Sozialhilfeangelegenheiten.
Immer wieder berichtete er in der Öffentlichkeit über die soziale und
menschliche Situation der Seeleute und mahnte pastorale und diakonale
Hilfe an. Einige Jahre später deckte er mafiöse Strukturen bei der
illegalen Arbeitsvermittlung und Anwerbung ausländischer Seeleute im
Hamburger Portugiesenviertel auf. Bis zu 800 Mark kassierten die Schlepper
von den Seeleuten, niemand fragte nach Papieren oder Namen. In
Gottesdiensten an Bord, in der Spendung der Sakramente und in pastoraler
Arbeit wandte er sich den Seeleuten als Seelsorger zu. 1991 wurde Kreiß zusätzlich Pfarrer in seiner alten Kaplansgemeinde St. Joseph in
Hamburg-Altona. Vom
Leben an Bord hatte der Seemannspastor auch aus eigener Erfahrung Ahnung:
Er fuhr regelmäßig auf Frachtschiffen mit.
Kreiß wurde aus Krankheitsgründen 1997 von
seiner Aufgabe als Seemannspastor entbunden, zog zurück nach Melle und starb
dort am 28. Oktober 2003 im Alter von 71 Jahren. |
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Die Situation
an Bord 1969 12.12.07 | Archiv (Leo Kreiß) |
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Als erstes fällt auf, daß in den Mannschaftsgraden, sowohl
an Deck als auch in der Maschine und Gally, fast ausschlißelich junge
Leute fahren. Es findet sich kaum ein älterer Seemann unter ihnen. Der
Grund dafür: Der gute Seemann denkt zu einer bestimmten Zeit an die
Gründung einer Familie. Das bedeutet meistens bei den Deutschen das Ende
ihrer Fahrenszeit.
Neben
der großen Zahl guter Leute findet sich ein hoher Prozentsatz von Leuten,
die in der Seefahrt den einzigen Ausweg sehen, um aus ungünstigen
Verhältnissen an Land herauszukommen. Der Ausdruck „ungünstige
Verhältnisse“ sagt nicht viel oder umfaßt alles: in der Schule
gescheitert, Hilfsschüler, Krach mit dem Elternhaus, Rausschmiß aus der
Lehre, vorbestraft, gescheiterte Ehe, Verlust des Elternhauses etc. Nach
kurzer Zeit des Fahrens haben viele von ihnen den Kontakt mit der Heimat
und daher auch den Background, der sie tragen könnte, verloren. Sie
bestimmen oft den negativen Ruf des Seemanns, der in Hamburg und an der
Küste verbreitet ist.
Es
muß nicht erwähnt werden, daß es unter der Besatzung zwei Stufen gibt:
Mannschaften und Offiziere. Oft sind es zwei Kasten. Das ist sicher das
erste Negative, was zu sagen ist. Die Ausbildung der deutschen Offiziere
ist gut, ihre Menschenführung an Bord läßt oft zu
wünschen übrig. Ältere Offiziere sind vielfach mit ihrem Beruf
unzufrieden. Gern möchten sie einen Beruf an Land ausüben, finden aber nur
schwer eine adäquate Beschäftigung. Sie sind meistens nur mit finanzieller
Einbuße zu erhalten. Darum fährt man eben weiter. Diese Einstellung
bestimmt des öfteren die Stimmung an Bord.
Erst in den letzten Jahren ist es selbstverständlich
geworden, für eine ordentliche Unterbringung der Besatzung zu sorgen. Aber
nicht alle Schiffe sind in den letzten Jahren gebaut. Viele deutsche
Seeleute fahren deshalb auf Ausländern: bessere Unterkunft, bessere heuer,
auf Skandinaviern auch bessere soziale Sicherstellung. Die Folge: auch auf
deutschen Schiffen sind viele Gastarbeiter, was naturgemäß neue Spannungen
mit sich bringt. Die Urlaubsregelung bedarf dringender Verbesserung. Oft
sind Schiffe personell unterbesetzt. Auch unter deutscher Flagge fahren
immer mehr Schiffe als Tanker oder Container. Die Umstrukturierung wird in
Zukunft neue Probleme aufwerfen. Ich vermute, daß in der Passagierfahrt
für die Besatzung im Heimathafen bei der kurzen Liegezeit wenig Atemholen
möglich ist.
Auf dem Schiff trifft man den Menschen in unmittelbarem
Bezug zu seinem Arbeitsplatz. Daher ist von dorther ein leichter
Ansatzpunkt für den ersten Kontakt und ein Gespräch gegeben. Dabei wirkt
es sich positiv aus, wenn man einen kleinen Überblick über die Berufe an
Bord hat (Decksmann, Bootsmann, Steuermann, Schmierer, Storekeeper etc.).
Zu weiterem Gespräch über seine persönlichen Probleme, die ja auch immer
religiöse Probleme sind, ist der Seemann erst bereit, wenn er den Priester
persönlich angenommen hat.
Als zweiter wichtiger Ort des Gesprächs sind die
Offiziers- und Mannschaftsmessen zu nennen. Man sollte sehr bald
herausfinden, zu welchen Freistunden hier die Leute sich aufhalten, um
sich für einige Zeit zu ihnen zu setzen. Der Seemann hat oft eine sehr
rauhe Sprache, die einen nicht gleich umwerfen darf. Dafür kann man ihn
allerdings auch direkt ansprechen.
Die Seeleute sind in vielen Häfen zuhause, leider
meistens nur in den Vergnügungsvierteln. Es wird in Kürze ein Buch
erscheinen unter dem Titel „Wir gehen an Land“. Über 300 Häfen sind darin
erfaßt, und es werden gute Landgänge empfohlen. Man sollte in der
Mannschaft einen aktiven Mann erspüren, dem man Anregungen gibt. Ich bin
gern bereit, nach Erscheinen des Buches jedem Schiffsgeistlichen ein
Exemplar zur Verfügung zu stellen.
Die konkrete religiöse Betreuung ist sehr schwierig.
Der Seemann ist ein regelmäßiges religiöses Leben nicht gewohnt. Er wird
trotz Einladung und der evtl. vorhandenen Freizeit seltenst an dem
Gottesdienst teilnehmen. Dennoch sollte man in den Fürbitten der hl. Messe
gerade an Bord die Seeleute nicht vergessen. Es gibt auch keine
vernünftigen Gebetbücher, die seine Situation treffen. Damit es zu keinem
völligen Erliegen seines religiösen Lebens kommt, ist der Kontakt mit der
Heimat (eigene Familie oder Elternhaus) und auch mit den Seemannsheimen
wichtig. Das scheinen mir die beiden Pole zu sein, die kontinuierlich den
Seemann im Religiösen beeinflussen und stützen können. |
| Aus: Referat auf der Konferenz der Schiffsgeistlichen
am 30. 4. 1969, Auszüge aus dem Manuskript von Seemannspastor Leo Kreiß | | |
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Neues
Relief 1974 07.12.06 | Archiv |
In
jedem Jahr wird am ersten Sonntag in Maimonat in allen
Stella-Maris-Häusern der Welt der Stella-Maris-Sonntag festlich begangen.
In Hamburg hatten wir in diesem Jahr einen besonderen Grund zu Feiern.
Rechtzeitig zum 5. Mai [1974] war die Renovierung des Treppenhauses vollendet,
und wir konnten in der Eingangshalle ein neues Stella-Maris-Relief
enthüllen. Nach dem Entwurf von Herrn Heino Scharf ist es aus Aluminium
gegossen und ein Schmuckstück im Eingang unseres Hauses. Unter großer
Teilnahme von Seeleuten aus fünf verschiedenen Kontinenten. Anschließend
luden unsere Helferinnen zu festlichen Kaffeetafel ein. |
| Aus: Seemannspost, Ausgabe 40, Dezember 1974 | | |
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Die Arbeit der Seemannsmission 1976 06.12.06 | Archiv |
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Wir möchten Sie mit statischen Zahlen verschonen, aber von unseren vielen kleinen Diensten
berichten. Das familiäre Leben ist für den Seemann ein besonderes Problem. Zu
oft und zu lange ist er von zu Hause weg, und in den ersten Tagen seines
Urlaubes ist er ein Fremder in der eigenen Familie. Jede Möglichkeit des
Kontaktes mit ihr ist während der Fahrzeit wichtig. Durch Kontakte kann er
wenigstens aus der Ferne am Geschehen zu Hause teilnehmen und auch von sich
selbst berichten. Telefon und Briefe sind oft die einzige Möglichkeit dazu.
Doch wer kennt die Vorwahlnummer von Deutschland in sein Heimatland? Wie soll er sich in einer
Telefonzelle zurechtfinden, wo er nur eine deutsche Beschreibung vorfindet?
Auch hat er nur ausländisches Geld in der Tasche, und die Banken schließen um
16 Uhr. Landgang ist meistens nur nach Feierabend möglich. Wo kann er dann für
seinen Brief nach Hause Briefmarken kaufen? Und welches Porto gehört auf den Brief?
In Stella Maris findet er auch am späten Abend keine verschlossene Tür. Telefonieren, Geldwechseln und
Briefmarken – kleine und doch wichtige Dienste am Seemann, wenn man den
Hintergrund kennt. In unserem Haus erfährt er diese Hilfe und auch an Bord bei
unseren Schiffsbesuchen. Ein kleiner Stadtplan mit Hinweisen auf die
öffentlichen Verkehrsmittel erleichtert und verbilligt den Landgang.
Einkaufstips werden gewünscht, „Wie komme ich zum Zoo?“ wird gefragt. Und gestandene Seeleute haben
ein kindliches Vergnügen, wenn sie zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee in die
Hand nehmen können und sich am Bau eines Schneemannes versuchen. Fußballspiele
gegen eine andere Schiffsmannschaft werden von uns organisiert. Ein
Nationalspiel ist in Deutschland immer ein großes Ereignis. Auf dem Hamburger
Seeleutesportplatz sind Spiele von Seeleuten verschiedener Nationalitäten eine
alltägliche Sache.
Nicht den Schiffen gilt unsere Sorge, sondern dem Menschen an Bord. Menschlicher, sozialer und religiöser
Einsatz wird von uns erwartet, und wir versuchen ihn zu geben. "Von Briefmarken
bis Beichte" – damit ist zwar nicht unsere ganze Arbeit umschrieben, erfaßt
aber viele von unseren kleinen Diensten. |
| Aus: Seemannspost, Ausgabe 42, 1976/77 | | |
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Wiedereröffnung nach dem Umbau 1978 07.12.06 | Archiv |
Am 24. Sep. 1978 feierte
Stella Maris Hamburg einen großen Tag. "Der Umbau ist vorbei", heißt das
Motto. Und es kamen viele Freunde der Seemannsmission, die mit uns und den
Seeleuten feiern wollten. Es waren so viele, daß wir in "zwei Etagen" feiern mußten.
Nach der hl. Messe um 15 Uhr gab es Kaffee und Kuchen im neugestalteten Restaurant und in unserem völlig
neu eingerichteten Gemeinschaftsraum, der besser unter dem Namen „Bar“ bekannt
ist. Die neue Mehrzwecknutzung unserer Räume in der Etage wahlweise vergrößert
oder verkleinert werden. Durch den Ansturm der Besucher mußten wir alle Türen öffnen.
Zur Erinnerung an frühere Zeiten der kath. Seemannsmission wurde ein Filmprogramm über die Arbeit
des Hauses Stella Maris gezeigt. Auch hier konnten die Besucher feststellen,
wie notwendig die Arbeit der Kath. Seemannsmission ist. Nur durch die Mithilfe
vieler freiwilliger Helfer und Helferinnen ist diese Arbeit zu bewältigen.
Darum an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die „stillen Helfer und
Helferinnen“, die auch bei der Gestaltung unseres Festes viel Zeit und Mühe aufgebracht haben.
Unser neuer Billard- und Spielraum fand nicht nur, wie schon vorher bei den Seeleuten, großen Anklang,
sondern brachte auch unseren Besuchern viel Spaß und Freude beim Spielen. Eine
Alt-Herren-Mannschaft beschlagnahmte den Tischtennisraum. Jeder Besucher mußte
unwillkürlich an unserem organisatorisch und baulich neugestalteten Empfang
vorbei. Die Empfangshalle war geschmückt mit Fotos aus dem Leben von Stella Maris.
Am Abend wurde aus unserer neuen Zapfanlage
kräftig Freibier ausgeschenkt. Die Diskothek spielte zum Tanz auf. Die
Mitarbeiter von Stella Maris standen Rede und Antwort zu den vielen Fragen
unserer Besucher. Es wurde getanzt, geklönt, ein Schnäpschen getrunken, und
immer wieder wollte man mehr über die Seemannsmission wissen. Der Barkeeper
hatte alle Hände voll zu tun, um aus zwei Zapfhähnen den Durst der Besucher und
der Seeleute zu stillen. Es war ein „Prost“ auf unseren Umbau. Alles in allem
... es war eine runde Sache – nur der Ventilator war in der Bauplanung zu kurz
gekommen – es wurde bei so vielen Freunden der Seemannsmission ganz schön heiß. |
| Aus: Seemannspost, Ausgabe 44, 1978-79 | | |
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| | Zitat: |
| "Die Benutzung von Ozean und Luft steht allen zu, und kein Volk und keine Privatperson kann Anspruch auf die See erheben." |
| Elizabeth I., 1533 bis 1603 |
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